Treffen eigenständiger kommunaler Forstbetriebe

Zeitung: : AFZ-Der Wald
Veröffentlichungsdatum: 14/2016
Autor: Zabel, Frank

Am 12. April 2016 fand in der Gemeinde Selters/Taunus ein Treffen der Revierleiter der aus der staatlichen Beförsterung ausgeschiedenen Kommunen statt. Gastgeber war dieses Mal Frank Zabel, Geschäftsführer des für die Betreuung des Selterser Gemeindewaldes zuständigen Dienstleistungsunternehmens Forstservice Taunus GmbH & Co. KG.

Derzeit handelt es sich um einen Arbeitskreis aus den Revierleiterinnen und -leitern Sigrid Büschken (Usingen), Karl-Matthias Groß (Usingen), Günter Busch (Bad Homburg), Mathias Brand (Oberursel), Ernst-Ludwig Kriep (Giessen), Armin Desch (Bad Orb) sowie Frank Zabel (Selters/Taunus). Neu hinzu kam dieses Mal der Revierleiter Martin Klepper (Kelsterbach) vom Forstbüro Klepper. Insgesamt verfügen die von den Revierleitern des Arbeitskreises repräsentierten Städte und Kommunen über eine Waldfläche von 9056 ha und eine Hiebsmasse von jährlich rund 59.600 Fm. Die bisher halbjährlich stattfindenden Treffen gelten, neben dem allgemeinen forstlichen Erfahrungsaustausch, insbesondere der Holzmarktanalyse sowie waldbaulichen Fragestellungen. Dieses Mal lag der Fokus des Treffens klar auf der Holzerfassung und der Holzvermarktung.

So stellte Lars Kristiansen, IT-Entwickler der Heidegesellschaft Forstprodukte und -Geräte GmbH, die aktuelle App für die Fotovermessung von maschinell geerntetem Holz und die Erfassung der GPS-Daten vor. Ein weiterer interessanter Tagespunkt war die Firmenvorstellung der Holzhof Breitenbach GmbH & Co. KG und der Holzlogistik & Güterbahn GmbH durch Alexander Martin. Alexander Martin gab Einblicke in die Holzeinkaufsorganisation, welche mit dem eigenen Eisenbahnverkehrsunternehmen vorwiegend Ganzzugkonzepte für Partner der Holz- und Sägeindustrie umsetzt. Zukünftig ist angedacht, den Informationsaustausch zwischen den einzelnen Revierleitern durch die Erstellung eines gemeinsamen Internet-Portals weiter zu verbessern.

Selterser Bäume in Asien

Die Gemeinde erwartet einen Jahresgewinn von 140.000 € aus dem Forst

Von den 1055 Hektar Selterser Gemeindewald befinden sich aktuell 970 Hektar in der Bewirtschaftung. Dies berichtete Frank Zabel vom für die Gemeinde mit der Waldbewirtschaftung beauftragten Forstservice Taunus Mandatsträgern und interessierten Bürgern beim Waldbegang durch Eisenbacher Gemarkung.Foto: Klöppel RobinFrank Zabel (Forstservice Taunus) und Bürgermeister Hartmann (v. l.) mit Mandatsträgern und Interessierten beim Waldbegang.

Selters-Eisenbach. Selterser Bäume landeten sogar auf dem asiatischen Markt – dies erfuhren die Teilnehmer des Waldbegangs von Forstwirt Frank Zabel. Buchen- und Fichtenholz erziele zurzeit auf dem Markt überdurchschnittliche Preise. 37 Prozent des Baumbestandes seien aktuell Buchen sowie 34 Prozent Fichten. Insgesamt 340 000 Festmeter Bäume stünden im Gemeindewald. Bei 7281 Festmetern Hiebsatz pro Jahr wachse stets mehr nach, als an Holz eingeschlagen werde, geht aus dem Bericht des Forsteinrichtungswerks hervor. Trotzdem könne die Gemeinde bei einem Jahresumsatz von 440 000 Euro im Forstbetrieb mit einem Gewinn 2015 in Höhe 140 000 Euro rechnen. 2015 sollen Ende des Jahres 6800 eingeschlagene Festmeter stehen.

Zabel begründete die nicht erreichten Sollzahlen damit, dass immer nur soviel eingeschlagen werde, wie es sinnvoll erscheine. Und trotz des geringeren Einschlages stimme ja das betriebliche Endergebnis, stellte Bürgermeister Bernd Hartmann (parteilos) fest. Puffer für Sturmereignisse müssten aber vorhanden bleiben, wie der Selterser Verwaltungschef bemerkte. Frank Zabel zeigte den Mitwanderern zwei Eisenbacher Weihnachtsbaumkulturen des Forstbetriebes. Insgesamt gebe es in Eisenbach drei sowie je eine in Niederselters und eine in Münster. 400 Weihnachtsbäume verkaufe die Gemeinde im Jahr, sagte Zabel. Mittelfristig solle eine Kultur in Eisenbach nach Aberntung der letzten vermarktbaren Bäume dort aufgegeben werden, weil das Gelände schlecht erreichbar und die Kultur somit unwirtschaftlich sei.

Zu viel Rotwild
An einem Gatter zeigte er, dass die Schutzgatter gegen Rotwild zwei Meter hoch sein müssten, weil sonst die Tiere drüberspringen und Neuanpflanzungen erheblich schädigen könnten. Frank Zabel sagte, dass er nicht wolle, dass das Rotwild im Selterser Wald komplett durch Jäger ausgerottet werde. Er sagte aber, dass 70 Prozent der bisher hier lebenden Tiere zum Erhalt des Bestandes ausreichten. Von daher müssten die Betreiber der Jagdreviere sich enger abstimmen, um eine Reduzierung des Bestandes zu erreichen.
Bernd Hartmann zeigte der Gruppe den Waldkindergarten, wo die Eisenbacher Kindergartengruppen abwechselnd Wald erleben könnten. Zabel zeigte der Gruppe auch, wie Waldbewirtschaftung funktioniert. So werden Zukunftsbäume geschützt und Bedränger eliminiert. Die Forstarbeiter um Meister Bernd Eisenbach müssten ihr Handwerk verstehen, denn wenn ein gefällter Stamm den falschen Baum beschädige, seien 180 Jahre Arbeit für die Katz, weiß Zabel. Alleine mit einem Meister und zwei Azubis kann die Arbeit im Gemeindewald aber nicht bewältigt werden, so dass der Forstservice weitere Unternehmen mit der Holzfällung und Abfuhr beauftragen muss. Teilweise wird die Holzrückung zur Bodenschonung noch mit Pferden ausgeführt. Zum Teil muss weiter mit der Motorsäge per Hand gefällt werden, dort wo Großmaschinen wie der Harvester nicht hinkommen. Nicht vermarktbare Habitatbäume mit Löchern werden bewusst als Lebensraum für Vögel oder Fledermäuse stehen gelassen. Ebenfalls sind dem Forstservice die Bürger wichtig, die im Wald Naherholung suchen. Egon Schwan von der NABU-Gruppe Eisenbach lobte: Der Forstservice Taunus leiste bisher tolle Arbeit. Die Bewirtschaftung halte er gegenüber Hessen-Forst für nachhaltiger und naturfreundlicher. Trotzdem stimme der Jahresabschluss, so Schwan.

Das schädigt den Wald Beim Windwurf durch den Sturm Niklas sei Selters mit einem blauen Auge davon gekommen, berichtete Zabel. Es seien dadurch zirka 1 000 Festmeter, überwiegend Fichten, gefallen. Durch den trockenen Sommer seien auch 600 Festmeter Holz durch Borkenkäfer geschädigt worden. Dieses vom Käfer befallene Holz wird zwei Mal jährlich entfernt. Pestizide sollten zur Käferbekämpfung im Selterser Wald nicht eingesetzt werden. Laut dem Forstwirt kann Käferholz noch als Güteklasse B verkauft werden. Wenn aber schon Spechte die Rinde beschädigt hätten, trockne das Holz schnell aus, und dann sei schnell ein Wertverlust von 30 Prozent gegeben.

Nassauische Neue Presse, 24.11.2015

Forstservice übernimmt Waldpflege

Der Selterser Gemeindevertretung hat beschlossen, dass der Forstservice Taunus mindestens bis Ende 2021 weiter den Selterser Gemeindewald bewirtschaften soll.

Selters. Vier Gemeindevertreter hatten sich bei der Entscheidung enthalten. Die Vertreter der CDU stimmten geschlossen dafür, die Freien Wähler Selters (FWS) dagegen. In der SPD konnte sich mit drei Ja-Stimmen, vier Enthaltungen und einem Nein nicht auf ein klares Votum festlegen. Vereinbart wurde ebenfalls, dass der Vertrag sich jeweils automatisch um fünf weitere Jahre verlängern wird, wenn er nicht 18 Monate vor Ablauf von einem der Vertragspartner gekündigt wird.

Gute Arbeit geleistet

Während sich die Gemeindevertreter darüber einig waren, dass der Forstservice Taunus in seinen beiden ersten Kooperationsjahren mit der Gemeinde sehr gute Arbeit geleistet hat, sahen nicht alle die Notwendigkeit, schon über ein Jahr vor Ablauf den Vertrag derart langfristig zu verlängern. „Aus Überlegungen der Freien Wähler besteht keine zwingende Notwendigkeit, zum heutigen Zeitpunkt einer Verlängerung des bestehenden Vertrages zuzustimmen“, erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hans-Willi Ort, für die neue Fraktion FWS. Insbesondere da der alte Vertrag sich sowieso automatisch um jeweils ein Jahr verlängert hätte, wenn keine Seite ihn kündigt, wie Ort erläuterte. Die Gemeindevertretung sei erst für 2014 ein Betriebsergebnis vom Forstservice Taunusvorgelegt worden, das Ergebnis für 2015 sei noch nicht abschließend beraten worden, begründete Ort seine Zurückhaltung weiter. „Für eine langfristige Bindung ist nach unserer Meinung die bisher gute Zusammenarbeit mit dem Forstservice Taunus über einen längeren Zeitraum zu bestätigen“, betonte der FWS-Vertreter. Nach nur zwei Wirtschaftsjahren einer fünfjährigen Vertragsverlängerung zuzustimmen, sei ein Gebaren, was weder in der privaten Wirtschaft noch im öffentlichen Sektor üblich sei. In der freien Wirtschaft müsste Orts Aussagen nah Dienstleister, die eine derart lange Vertragszeit wünschten, dem Vertragspartner signifikant verbesserte Konditionen als Gegenleistung anbieten. Die Freien Wähler halten es auch mit Blick auf die bevorstehende Kommunalwahl und die zu erwartende Umbesetzung der Gemeindevertretung für unfair, jetzt schon Fakten für die kommende Wahlperiode zu schaffen. SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Günter Papke erklärte, bei einer Abstimmung im kommenden Jahr wäre die Vertragsverlängerung sicherlich einstimmig gewesen.

Unbegründete Eile

Überrascht sei die SPD aber gewesen, jetzt schon mit einer Vertragsverlängerung konfrontiert zu werden. „Uns stört nicht die Arbeit des Forstservice, sondern diese Eile“, so Papke. Einige Kollegen würden die Art und Weise der Verlängerung als sehr kritisch ansehen. Darum habe die Fraktion, so Papke, ihren Mitgliedern das Abstimmungsverhalten freigestellt. Bürgermeister Bernd Hartmann (parteilos), der die Vertragsverlängerung angeregt hatte, betonte, dass die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und dem Dienstleister Forstservice sehr gut verlaufe. Diese werde auch von der Bevölkerung sehr gut bewertet. Der Forstservice lege, wie Hartmann erläuterte, Wert auf ein gutes Miteinander von Naturschutzverbänden, Jagdgenossenschaften und Jagdpächtern. „Eine positive Zusammenarbeit wird von all diesen Beteiligten bestätigt“, betonte der Bürgermeister. Zudem seien die Ergebnisse der Forstwirtschaftspläne hervorragend: Für 2014 lässt sich ein Plus von 164 873 Euro verzeichnen, und für 2015 wird ein Plus von 140 000 Euro erwartet. 2016 werde der Gewinn zwar voraussichtlich mit 105 000 Euro geringer ausfallen.

Transparente Arbeit

Allerdings müssen im kommenden Jahr Hartmann zufolge einige Pflegemaßnahmen erledigt werden. Hartmann sprach sich für die vorzeitige Verlängerung auch deshalb aus, damit beide Seiten Planungssicherheit haben. CDU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Sandner meinte, mit dem neuen Partner sei absolute Transparenz der Arbeit gegeben. Wenn man mit einem Vertragspartner sehr zufrieden sei, sei es doch normal, frühzeitig über eine Vertragsverlängerung nachzudenken, sagte Sandner. Er stellte klar, dass die Verlängerung nichts damit zu tun habe, dass einer der Vertragspartner der Sohn von Altbürgermeister Dr. Norbert Zabel ist. Zudem habe der Gemeindevorstand diese Entscheidung vorgeschlagen und nicht die CDU.

Nassauische Neue Presse, 20.11.2015