Nach Trennung zufrieden

FORST - Private Betriebe bewirtschaften Wald in Mengerskirchen und Selters

Selters/Mengerskirchen. Die Gemeinden Mengerskirchen und Selters haben sich bei der Beförsterung ihrer Wälder vom Staatsforst Hessen Forst getrennt. Die Bürgermeister Thomas Scholz (CDU) und Bernd Hartmann (parteilos) ziehen eine positive Bilanz.

Die Gemeinde Selters hat 2014 einen dreijährigen Vertrag mit dem ortsansässigen Forstservice Taunus unter der Leitung von Frank Zabel geschlossen. Grund für den Wechsel war der Wunsch nach einem selbstständigen Agieren. Die Kostenreduzierung war ein untergeordnetes Ziel, sagte Bürgermeister Hartmann auf TAGEBLATT-Nachfrage. "Es ist uns wichtig, einen Ansprechpartner zu haben, der vor Ort sitzt." Mit Hessen Forst war die Gemeinde Selters dem Forstamt in Weilmünster zugeordnet.

Mengerkirchen hat sich 2007 von Hessen Forst abgewandt, eine Folge des großen Windwurfs nach Orkan "Wiebke" im Jahr 1990. Die Aufwendungen und Beförsterungskosten ständen in keinem guten Verhältnis zu den Erträgen, sagte Bürgermeister Thomas Scholz (CDU). Die größere Flexibilität zeigt sich für Selters Bürgermeister Hartmann im Holzverkauf im vergangenen Jahr. Forstingenieur Zabel habe den guten Preis für das Fichtenholz erkannt und den Einschlag erhöht. Dadurch konnte der im Forstwirtschaftsplan angesetzte Gewinn von 145 000 Euro auf 158 000 Euro erhöht werden. Dabei habe man sich jedoch an die Forsteinrichtung des Regierungspräsidiums Gießen gehalten und schlage zum Ausgleich in den kommenden Jahren weniger Fichte ein, sagte Zabel.
Probleme wie Wildschäden geht Zabel gemeinsam mit den benachbarten Förstern an. Derzeit werde ein Wildäsungskonzept erarbeitet, welches es vorsieht, Waldwiesen und Wildruhezonen für die Tiere zu schaffen. Durch gezielte Jagd werde die Wildpopulation reduziert.
Das bürgernahe Konzept wird durch Waldbegehungen umgesetzt. "Es ist wichtig, den Bürgern zu zeigen, was im Wald passiert", sagte Zabel. Für dieses Jahr sind zwei Waldbegehungen im Mai und November in Münster und Eisenbach angesetzt. Ein weiterer Schwerpunkt des Forstservice Taunus ist die Zusammenarbeit mit Naturschutzorganisationen wie dem Naturschutzbund (Nabu). Die Naturschützer kennzeichnen Bäume mit Horst- und Höhlenbau, damit diese nicht eingeschlagen werden. "Ich übersehe natürlich auch mal etwas, daher ist die Hilfe des Nabu eine gute Ergänzung zu meiner Arbeit", sagte Zabel.
Die Gemeinde Mengerskirchen hat einen anderen Weg gewählt. Es gibt keine feste Firma, die sich um die Beförsterung des Waldes kümmert, sondern Aufträge wie Holzernte, Anpflanzungen und Wegebau werden an verschiedene Fachfirmen vergeben. Die Holzvermarktung läuft in Kooperation mit der Fürstlichen Forstverwaltung in Braunfels. Zusätzlich beschäftigt die Gemeinde stundenweise einen Förster.
Für Scholz hat der Wechsel zu positiven Ergebnissen geführt. Die Waldbewirtschaftung sei flexibler geworden. Die Holzvermarktung laufe gezielter ab und die Holzpreise lägen mindestens auf dem gleichen Niveau wie bei Hessen Forst. Auch die Kosten für Pflege, Wegebau, das Anlegen von Kulturen und der Schutz vor Verbiss fielen geringer aus, sagte Scholz.

Der Leiter des Weilburger Forstamtes, Werner Wernecke, sieht in diesen Wechseln jedoch keinen neuen Trend. Gründe für den Wechsel seien geringere Kosten, mehr Selbstständigkeit oder Konflikte mit Hessen Forst. Wernecke gibt dabei zu bedenken, dass Hessen Forst den Kommunen bei der Beförsterung einen Rundumservice mit Holzverkauf, zehnjähriger Planung als Teil des Regelwerkes Forsteinrichtung sowie Unterstützung bei Naturschutz, Genehmigungsverfahren und Waldpädagogik bietet. "Wenn ein privater Anbieter dieses volle Leistungsangebot hätte, wäre er nicht billiger als Hessen Forst", sagte Wernecke.

Weilburger Tageblatt, 24.04.2015

Erhöhte Vorsicht im Wald

Niklas hat Spuren hinterlassen - Spaziergänger sollten Windwurfgebiete meiden

Das Sturmtief Niklas hat Spuren hinterlassen, und Frank Zabel, Geschäftsführer des Forstservice Taunus, bittet um Verständnis dafür, dass sich der Brennholzverkauf dadurch verzögert. Die Bürger werden gebeten, die nächsten Tage aus Sicherheitsgründen bei Waldspaziergängen die Windwurfgebiete noch zu meiden.

Selters. Ein erhöhter Einschlag und im Vergleich zum Vorjahr geringerer Gewinn im Wald – das ist für 2015 zu erwarten, und dies hat, wie Frank Zabel (Forstservice Taunus) den Gemeindevertretern im Umweltausschuss erläuterte, zwei Hauptgründe: Auf der einen Seite hänge dies mit der geringeren Hiebsmasse 2014 zusammen, auf der anderen mit vermehrten Pflegemaßnahmen. Im Selterser Forst sollen im laufenden Jahr 7773 Festmeter Holz bei einem prognostizierten Gewinn von 122 878 Euro eingeschlagen werden. 2014 wurden nur 6298 Festmeter eingeschlagen und ein Gewinn von 157 706 Euro erwirtschaftet.

Seit Beginn des Jahres seien in allen vier Ortsteilen Stammholz, Palette und Industrieholz eingeschlagen worden, sagt Zabel. So sei es meist möglich, den Brennholzbedarf der Bürger in Wohnortnähe zu befriedigen. Durch die nasse Witterung sei aber in vielen Abteilungen die Holzrückung erheblich verzögert werden. Geschlagen wurde laut Zabel in diesem Jahr bereits Holz im Mühlschlag und im Eichwald in Haintchen, im Kleinhölzchen und im Hinterwald in Niederselters, im Gauchwald in Münster und im Haag in Eisenbach. Bei den Holzrückemaßnahmen beschädigte Wege würden kurzfristig wiederhergestellt. Um eine langfristige Erhalt der Waldwege zu sichern, sollten bis Ende des Jahres sämtliche Durchlässe gereinigt werden. Zukünftig solle eine jährliche Kontrolle durchgeführt werden. Geplant sei außerdem, Bänke und Wanderwege, soweit nötig, freizuschneiden. Erneuert werden solle die Verbindungsbrücke Gauchwald-Wehrholz in Münster. Der Unterbau sei zwar noch intakt, aber der Aufbau und das Geländer seien teilweise marode und sollten darum ausgetauscht werden.

Hoher Bestand an Fichten

Insgesamt lässt sich nach Aussagen Zabels jedoch im Gemeindewald ein deutlicher Überhang an jungen bis mittelalten Fichtenbeständen erkennen. Das habe einen hohen Pflegeaufwand zur Folge. Aktuell würden, dort wo es sinnvoll sei, Baumpflanzungen in sämtlichen Gemarkungen durchgeführt. „Ziel sollte es stets sein, die natürliche Verjüngung zu übernehmen“, so der Geschäftsführer des zuständigen Forstservices. Es sollten aber auch nach und nach die Freiflächen, auf denen keine natürliche Verjüngung funktioniere, bepflanzt werden. Hierbei sollten hauptsächlich einheimische Baumarten Verwendung finden. Derzeit würden in den Gemarkungen Niederselters und Münster Neukulturen mit Weißtanne und Europäischer Lärche begründet. Die Baumartenauswahl hänge ausschließlich von den örtlichen Gegebenheiten ab und könne nicht schematisch vorgenommen werden.

Viele Wildschäden

Insgesamt müssten in der Gemeinde über 17 Hektar Kulturen nachgebessert, das heißt durch Trockenheit oder Schädlingsbefall abgestorbene Bäumchen in den bereits bestehenden Kulturen ausgetauscht werden. Gleichzeitig werde die Nachbesserung zum Anlass genommen, Mischbaumarten wie die Große Küstentanne in die reinen Douglasienkulturen oder die schattenerträgliche Weißtanne und die Elsbeere in vorhandene Eichen-Hainbuchenkulturen einzubringen. Die Wildschäden befinden sich laut Frank Zabel nach wie vor auf hohem Niveau. Positiv sei die Erfüllung der Abschusszahlen 2014. Allerdings sollte seiner Meinung nach von der unbegrenzten Nachfreigabe beim Kahlwildabschuss Gebrauch gemacht werden, da Großrudel von 70 und mehr Stück Rotwild zu starke Schäden im Wald anrichten könnten. Im Rahmen des in diesem Jahr beauftragten Wildäsungskonzeptes solle mit der Erstellung von Waldwiesen begonnen werden. Auf diesen finde das Rotwild Äsung, was bei gleichzeitiger konsequenter Bejagung zur Verminderung von Schälschäden führen könne. Wichtig sei bei allen Bemühungen die enge Zusammenarbeit mit den betroffenen Jagdpächtern.

Info: Zusammenarbeit mit Naturschützern

Der Forstservice ist dabei, in allen Gemarkungen Namensschilder aufzuhängen. Viele der Schilder seien bereits aufgehängt, der Rest werde noch dieses Frühjahr folgen. „Auch weiterhin wird eine enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Naturschutzverbänden angestrebt“, versichert Frank Zabel. Die Naturschützer würden bei der Markierung der Horst- und Höhlenbäume helfen und auf besondere Vorkommen geschützter Arten hinweisen, so dass verhindert werden könne, diese bei der Holzernte in Mitleidenschaft zu ziehen. Beispielsweise befinde sich im Niederselterser Hinterwald eine Population der streng geschützten Bechsteinfledermaus. Ebenso gehe es aber darum, im Forst ökonomische Werte wie die wertvollen Selterser Eichenbestände zu erhalten. Der herausragende mit über 200 Jahre alten Bäumen befindet sich im Mühlschlag in Haintchen. Dort sei bei der Pflege ein besonderes Augenmerk auf das Zurückdrängen der dominierenden Buche zu halten, da die jungen Buchen von unten in die Kronen der alten Eichen einwachsen und diese zum Absterben bringen würden. Bei optimaler forstlicher Pflege könnten viele der vitalen Eichen dort noch über 100 Jahre erhalten werden. rok

Nassauische Neue Presse, 09.04.2015

 

Mit dem Rücke-Pferd in den Wald

Diese Arbeit ist nicht wie anno dazumal, auch wenn der Eindruck Nostalgie weckt

Mit dem Rückepferd in den Wald - vor drei Jahrzehnten war das selbstverständlich. Heute gibt es diese Arbeitweise auch noch, zumindestens manchmal.

Selters-Eisenbach. Vor 30 Jahren gehörten Holzrücke-Pferde noch in vielen heimischen Wäldern zur alltäglichen Erscheinung. Danach wurden sie immer mehr von Traktoren, Rückemaschinen und modernster Erntetechnik verdrängt. „Und dies vor allem aus Kostengründen, wie man weiß, obwohl der Pferdeeinsatz zweifellos umwelt- und naturschonender ist“, wie Frank Zabel vom Forstservice Taunus berichtet, der den Selterser Gemeindewald betreut. Doch bei manchen Holzernte-Einsätzen könne der kombinierte Einsatz von Pferd und Rückemaschine immer noch sinnvoll sein, wie aktuell im Bereich „Haag“ in Eisenbach. Dort findet derzeit in der Abteilung 301 der kombinierte Einsatz von Pferd und Rückemaschinen statt. Auf dem tiefgründigen, frischen und lößhaltigen Boden könnten, so der Revierleiter, Rückeschäden minimiert und der Baumbestand geschont werden. Zabel bedauert es, dass die traditionelle Holzrückung mit dem Kaltblut in der modernen Forstwirtschaft derzeit nur noch einen untergeordneten Stellenwert habe. Gründe liegen seinen Angaben nach insbesondere in der wesentlich geringeren Leistungsfähigkeit (Lieferverträge sind zeitgerecht einzuhalten), in der Spezialisierung auf besondere Sortimente (starkes Stammholz lässt sich ausschließlich maschinell kostendeckend rücken) und in den höheren Kosten für die Rückearbeiten.


Pferd und Schlepper

Interessant ist in Eisenbach der Arbeitsablauf: Wenn man heute von Holzrückung mit dem Pferd spricht, ist damit eigentlich immer der kombinierte Einsatz von Pferd und Rückeschlepper gemeint. Mit dem Pferd werden leichte Holzstämme und insbesondere Industrieholz an die Rückegassen vorgeliefert und dann vom Forstspezialschlepper oder Rückezug an die Waldwege gebracht. Von dort werden die Stämme dann später zum Sägewerk gebracht. Wie Frank Zabel erläutert, hat der Einsatz von Pferden als wichtigsten Vorteil, dass der Boden durch die Tiere im Vergleich zu schweren Maschinen deutlich weniger geschädigt werde. Ein zweiter Vorteil liege in der geringen Umweltbelastung und ein dritter in der Vermeidung von Rückeschäden. Außerdem werde ein traditionelles Handwerk durch den Einsatz der Pferde erhalten. Thomas Sänger aus Waldsolms führt die Arbeiten in Eisenbach mit seinem Familienunternehmen aus, zu dem Tochter Lena und Sohn Christian sowie die Pferde Henry und Meilinger gehören. Sicherlich lasse sich, so Zabel, das Rad der Zeit nicht mehr komplett zurückdrehen. Doch bei der richtigen Auswahl des Waldbestandes lägen die Kosten der Holzrückung mit den Pferden nur unwesentlich über denen der maschinellen. Von daher sei es mancherorts durchaus sinnvoll, auf Kaltblüter zu setzen. Die seien nämlich auch dann noch einsatzbereit, wenn Maschinen aufgrund beispielsweise von feuchten Böden ihre Arbeit einstellen müssten. rok

Nassauische Neue Presse, 20.02.2015