Forsttechnische Leitung und forsttechnischer Betrieb Gemeindewald Selters (Taunus)

Der Gemeindewald Selters (Taunus) hat eine Vielzahl immens wichtiger Aufgaben zu erfüllen. Er ist ein Rückzugsraum für unsere wildlebenden Tiere, Vögel, Insekten wie auch für viele Grasarten, Kräuter, Flechten und Pilze. Er spendet Erholung für Spaziergänger, Wanderer, Radfahrer und andere Naturbegeisterte. Naturschützer, Imker und Jäger profitieren gleichermaßen von einem, im Vergleich zur Feldgemarkung, ursprünglichen und unbelasteten Lebensraum. Er ist nicht nur unsere grüne Lunge und Kohlenstoffspeicher, sondern erzeugt außerdem während der Photosynthese aus klimaschädlichem CO2 den wertvollen Rohstoff Holz. 

Durch die nachhaltige Holznutzung wird zusätzlich klimaschädliches CO2, durch die Speicherung in Brettern, Balken und Furnieren, der Atmosphäre langfristig entzogen. Als Holzproduzent genügt der Gemeindewald dem berechtigten wirtschaftlichen Interesse des Waldbesitzers, als Brennholzlieferant den vielen privaten Holznutzern in unserer Gemeinde. Der Gemeindewald Selters (Taunus) hat eine Forstbetriebsfläche von rund 1.065 Hektar. Sie ist verteilt auf die vier Ortsteile Niederselters, Eisenbach, Münster und Haintchen. Die mengenmäßig größte Waldfläche befindet sich in der Gemarkung Haintchen.  Mit einem durchschnittlichen Holzvorrat von 340 VFm je Hektar verfügt die Gemeinde Selters (Taunus) über eine sehr gute Vorratsausstattung. Die Buche ist mit einem Anteil von 40 % die Hau.

Wie kommt man auf diese Zahlen? 

Grundlage jeder professionellen Waldbewirtschaftung ist ein Forsteinrichtungswerk. Das Forsteinrichtungswerk ist ein 10-Jahres-Betriebsplan, in dem jede Waldabteilung und Unterabteilung gesondert erfasst und hinsichtlich ihrer Behandlungsweise aufgeführt ist (s. u.). Auch bei der Erstellung der jährlichen Forstwirtschaftspläne wird das Datenmaterial der Forsteinrichtung berücksichtigt.ptbaumart, gefolgt von der Fichte mit 37 %, der Eiche mit 15 % und schließlich der Lärche und der Kiefer mit insgesamt 8 %. Der Gemeindewald ist ein Holzproduzent mit einem jährlichen laufenden Zuwachs 9,8 VFm je Hektar. Genutzt werden davon 9,0 VFm je Hektar. Das entspricht 7,2 EFm je Hektar bzw. 7.281 EFm im gesamten Gemeindewald an verwertbarer Holzmasse, die jährlich nachhaltig eingeschlagen werden kann. 

Obwohl die Forsteinrichtung eine sehr detail- und hilfreiche Grundlage darstellt, muss der Forstmann immer vor Ort die letzten, richtigen und sinnvollen Entscheidungen für die zukünftige Entwicklung des Waldes treffen. Und wie bei allen forstlichen Entscheidungen muss besonders bei der Holzernte die Nachhaltigkeit oberstes Gebot sein.

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Wie ist es um die Holzqualität im Gemeindewald bestellt?

Die Qualität des Holzes innerhalb der einzelnen Waldbestände im Gemeindewald variiert durchaus. So sind vom forstlichen Standpunkt aus gesehen einige wirklich gute bis sehr gute Bestände vorhanden. Beispielsweise sind im Kleinhölzchen (Abt. 408) in Niederselters und im Wehrholz (Abt. 210/211) in Münster qualitativ hochwertiges Buchenstamm- und Buchenschälholz zu finden. Am Suterkopf (Abt. 108) in Haintchen, im Erdbeerwäldchen (Abt. 207) in Münster, im Röder (Abt. 306) in Eisenbach und im Hinterwald (Abt. 414) in Niederselters stockt qualitativ gutes Fichtenstammholz. Das beste Eichenholz, teilweise in Fassdauben- und Furnierqualität, befindet sich im Mühlschlag (Abt. 129 und 130) in Haintchen. Die Qualität des Kiefernstammholzes im Gemeindewald Selters (Taunus), z. B. in der Königsheck (Abt. 323) in Eisenbach und der Armstahl (Abt. 404) in Niederselters, lässt sich insgesamt eher als mäßig bezeichnen. Die Böden in unserer Gemeinde sind für die ärmere Sandböden bevorzugende Kiefer einfach zu gut.

Ziel der nachhaltigen forstlichen Bewirtschaftung des Gemeindewaldes Selters (Taunus) ist es, alle Waldfunktionen miteinander zu vereinen - von der Erholungsfunktion, über den Naturschutz und die Jagd bis hin zu einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Holzproduktion. Dabei ist bei der nachhaltigen Holzproduktion nicht allein die Erhaltung der mengenmäßigen Nachhaltigkeit sondern insbesondere der wertmäßigen Nachhaltigkeit zu beachten.

Und gerade die wertmäßige Nachhaltigkeit wird nicht nur über das Erhalten wertvoller alter Eichenbestände und den Schutz von Horst- und Höhlenbäumen gesteigert, sondern auch besonders durch das Einbringen wertvoller Mischbaumarten, wie beispielsweise Elsbeere, Speierling und Weißtanne, sowie eine der Wildpopulation angepassten Jagdstrategie.

 

 

Luftbildselterser

 




Anlage eines Feuchtwiesenbiotops in der Gemarkung Haintchen

Im Zuge einer Ausgleichsmaßnahme für ein Bauprojekt der Gemeinde Selters (Taunus) wurde im Selterser Gemeindewald (Gemarkung Haintchen) in Abt. 114 eine Renaturierungsmaßnahme durchgeführt. Angrenzend an das bereits bestehende Feuchtbiotop im Quellgebiet des Hainbaches ist ein Feuchtwiesenbiotop angelegt worden. In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde wurden rund 5000 Quadratmeter Laub- und Nadelgehölze (überwiegend Fichten und Douglasien) beidseitig des Hainbaches auf einer Länge von etwa 120 Metern gerodet. Im zweiten Schritt sind die Wurzelstöcke auf ganzer Fläche beseitigt worden und am Außenrand der Fläche zu einem Wall aufgeschichtet worden. Er hat die Funktion eines Sicht- und Kleinklimaschutzes und dient gleichzeitig als Rückzugsmöglichkeit für verschiedene Tierarten (z. B. die Wildkatze). Auf der so entstandenen Waldlichtung wurde in Zusammenarbeit mit den Haintchener Jägern eine Feuchtwiesenmischung mit standortgerechten Gräsern angelegt. Desweiteren wurden auf der Fläche entlang des Bachlaufs des Hainbaches zwei Tümpel angelegt. Sie führen ganzjährig Wasser und dienen als Laichhabitate für die hier vorkommenden Amphibienarten Erdkröte, Grasfrosch, Feuersalamander, Bergmolch und Fadenmolch. Aber auch das Hoch- und Niederwild profitiert von diesen Maßnahmen, da das so entstandene Feuchtwiesenbiotop auch gleichzeitig als Wildäsungsfläche dient, wie sich an zahlreichen Fährten- und Losungsfunden eindeutig nachweisen lässt.

                                                                                                                                                    

Holzrückung mit dem Kaltblutpferd im Selterser Gemeindewald

kaltblutVor 30 Jahren gehörten Holzrücke-Pferde noch in vielen heimischen Wäldern zur alltäglichen Erscheinung. Danach wurden sie immer mehr von Traktoren, Rückemaschinen und modernster Erntetechnik verdrängt. Doch bei manchen Holzernte-Einsätzen kann der kombinierte Einsatz von Pferd und Rückemaschine sinnvoll sein. Auf tiefgründigen, frischen und lößlehmhaltigen Böden können Rückeschäden minimiert und der Baumbestand geschont werden.

Leider hat die traditionelle Holzrückung mit dem Kaltblut in der modernen Forstwirtschaft derzeit nur noch einen untergeordneten Stellenwert. Die Gründe liegen insbesondere in der wesentlich geringeren Leistungsfähigkeit (Lieferverträge sind zeitgerecht einzuhalten), in der Spezialisierung auf besondere Sortimente (starkes Stammholz und schwache Nadelkurzholzsortimente lassen sich ausschließlich maschinell kostendeckend rücken) und in den höheren Kosten für die Rückearbeiten.

Wenn man heute von Holzrückung mit dem Pferd spricht, ist damit eigentlich immer der kombinierte Einsatz von Pferd und Rückeschlepper gemeint. Mit dem Pferd werden leichte Holzstämme und insbesondere Industrieholz an die Rückegassen vorgeliefert und dann vom Forstspezialschlepper oder Rückezug an die Waldwege gebracht und gepoltert. Von dort werden die Stämme dann später von den Holz-Lkw zum Sägewerk gebracht. Der Einsatz von Pferden hat den wesentlichen Vorteil, dass der Boden durch die Tiere im Vergleich zu schweren Maschinen deutlich weniger geschädigt wird. Ein zweiter Vorteil liegt in der geringen Umweltbelastung und ein dritter in der Vermeidung von Rückeschäden. Außerdem wird ein traditionelles Handwerk durch den Einsatz der Pferde erhalten.

Zwar lässt sich das Rad der Zeit nicht mehr komplett zurückdrehen. Doch bei der richtigen Auswahl des Waldbestandes liegen die Kosten der Holzrückung mit den Pferden nur unwesentlich über denen der maschinellen. Von daher ist es mancherorts durchaus sinnvoll, auf Kaltblüter zu setzen. Sie sind nämlich auch dann noch einsatzbereit, wenn Maschinen beispielsweise aufgrund von feuchten Böden ihre Arbeit einstellen müssten.

In der Gemeinde Selters wurden 2016 ca. 50 % des Laubindustrieholzes und der Laubholzpalette von Kaltblutpferden gerückt. Auch zukünftig sollen Pferde im Selterser Gemeindewald bei der Holzrückung eingesetzt werden.

 


Waldortsnamen und ihre Bedeutung in der Gemeinde Selters (Taunus)

Im Haintchener Wald wurde vor Jahren damit begonnen: Alte Walddistriktsnamen wurden übersichtlich an Waldwegen auf Holztafeln kenntlich gemacht, um den Waldbesucher zu informieren, wie der Waldbezirk bezeichnet wird. Dies soll nun eine Fortsetzung in Münster, Eisenbach und Niederselters finden. Die Gemarkungsnamen, die vielen älteren Bürgern durchaus noch geläufig sind, werden von Waldbesuchern der jüngeren Generation oftmals nicht mehr gekannt. Das ist schade, denn die alten Gemarkungsnamen, die z.T. ins Mittelalter zurückreichen, erzählen Geschichten und fördern bei Nachforschungen mitunter interessante Ergebnisse zutage.  So hat der Waldortsname „Struth“ in Eisenbach mittelhochdeutsche Wurzeln und lässt sich mit Gebüsch oder Buschwald übersetzen, während der „Haag“ für Sträucher, Dornbusch oder Schutzhecke steht.

Schild mit dem Wadnamen

 
Das Wort „Gauch“ im Gemarkungsnamen „Gauchwald“ in Münster bezeichnet ein uraltes Flächenmaß, als die Flächen noch nach der Arbeitskraft der Zugtiere bemessen wurden. „Hansloch“ ist dagegen die Bezeichnung einer sauren, nassen Wiese, dessen Niederselterser Eigentümer wohl einmal Johannes hieß. Und die „Ölkaut“ erhielt ihren Namen von den Eulern, also den Töpfern, die dort Ton abbauten.„Königsheck“ und „Herrenwald“ geben den Eigentümer preis und der Münsterer „Kohlwald“ weist auf die Köhler hin, die Holzkohle für die Verarbeitung des dort geförderten Eisenerzes produzierten. Der „Mühlschlag“ in Haintchen erinnert an die Mahlmühle des Johann Georg Hickmann, und der „Hengel“ in Niederselters beschreibt eigentlich nur ein hängendes, abschüssiges Gelände.Die schön verzierten neuen Holztafeln wurden von dem Holzschnitzer Erich Ratschker aus Erbach in Handarbeit hergestellt und von dem Forstwirtschaftsmeister Bernd Eisenbach und den beiden Auszubildenden Jan Bidault und Jonas Brandenburger aufgehängt. Sämtliches für die Schilder verwendetes Eichenholz stammt aus dem Gemeindewald Selters (Taunus). Bisher wurden für Eisenbach und Niederselters je drei und für Münster vier Gemarkungsschilder angefertigt und aufgehängt. Dies soll nur ein Anfang sein. Es wurden bereits zwölf weitere Schilder für den Gemeindewald Selters (Taunus) in Auftrag gegeben.