Zeitung: : Main-Spitz Rüsselsheim
Veröffentlichungsdatum: 10.01.2018
Autor: Jens Etzelsberger

RÜSSELSHEIM - Mit Beginn des neuen Jahres steht der Rüsselsheimer Forst unter neuer Leitung. Die 790 Hektar Stadtwald werden nicht mehr von HessenForst betreut, sondern von der Forstbetriebsgemeinschaft Rhein-Main und dem Forstservice Taunus aus Niederselters als Dienstleister. Reinhard Ebert, Bereichsleiter Natur- und Umweltschutz im Rüsselsheimer Rathaus, ist nicht nur überzeugter Befürworter der Forstbetriebsgemeinschaft, sondern auch deren stellvertretender Vorsitzender. Vorsitzender des Vereins mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb ist der Büttelborner Bürgermeister Andreas Rotzinger.
Bewirtschaftung soll bei Bevölkerung ankommen
Die Forstbetriebsgemeinschaft koordiniert nämlich nicht nur die Arbeiten im Rüsselsheimer Forst, sondern auch in den Wäldern von Raunheim (310 Hektar), Groß-Gerau (422 Hektar) und Büttelborn (520 Hektar) sowie auf den Flächen einiger Kleinwaldbesitzer (insgesamt 20 Hektar).
Reinhard Ebert ist mit der Anerkennung der Forstbetriebsgemeinschaft und der Verleihung der Rechtsfähigkeit durch das Regierungspräsidium nicht nur am Ziel eines langen Weges, sondern sieht sich auch durch aktuelle Entwicklungen darin bestätigt, eine Alternative zu HessenForst zu schaffen. Nachdem in Baden-Württemberg ein Kartellverfahren gegen den dortigen Landesbetrieb Forst eingeleitet wurde, beschäftigt sich in Hessen, wo die Strukturen ähnlich sind, derzeit eine Arbeitsgruppe mit einem neuen, kartellrechtskonformen Weg der Holzvermarktung.

ANSPRECHPARTNER

Mit der neuen Zuständigkeit gibt es auch neue Ansprechpartner für Selbstwerber, also Menschen, die ihr Brennholz aus dem Wald holen. Der für Rüsselsheim zuständige Förster heißt Oliver Burghardt und wohnt derzeit noch in Oberursel, will aber, so Ebert, näher an seinen neuen Arbeitsplatz ziehen. Wer Holz braucht, muss sich unter 06142-83 25 00 ans Rüsselsheimer Umweltamt wenden oder eine E-Mail an This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. schicken. Die Anfragen werden gesammelt und an Oliver Burghardt weitergegeben, der dann mit jedem Interessenten individuelle Termine im Forst ausmacht. (etz)
Doch die Probleme von HessenForst sind nicht mehr die der Forstbetriebsgemeinschaft, von der sich Ebert eine ganze Reihe positiver Aspekte verspricht. Dabei geht es Ebert weniger um eine Steigerung der Gewinne aus dem Rüsselsheimer Forst als um eine Forstwirtschaft im Einklang mit der Bevölkerung. Als großes Ziel nach den ersten fünf Jahren, so lange läuft der Vertrag mit dem Forstservice Taunus zunächst, wünscht sich Ebert eine Bewirtschaftung des Stadtforstes, die bei der Bevölkerung ankommt. Ärger über das Abräumen großer, zusammenhängender Flächen und über Arbeiten in Naturschutzgebieten sollen mit der Neustrukturierung der Vergangenheit angehören, hofft Ebert.
Auch die Kooperation mit der Kommunalpolitik soll verbessert werden. Der Erholungswert des Waldes soll gesteigert, die Altbestände erhalten bleiben. Verbesserungen verspricht sich Ebert aber auch in finanzieller Hinsicht. Bei Arbeiten wie dem Wegebau oder der Umwandlung von Fehlbestockungen soll künftig zunächst ermittelt werden, ob Fördertöpfe genutzt werden können. „Ohne Förderung wird nichts oder nur noch wenig gemacht“, so Ebert im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Forstbetriebsgemeinschaft könne auch individueller auf Holzkäufer eingehen, nennt Ebert, dem vonseiten von HessenForst schon „vorgegaukelte Forstromantik“ vorgeworfen wurde, weitere Vorteile.
Billiger wird es aber zunächst nicht. Die Kosten, die der Forstservice Taunus nach europaweiter Ausschreibung für die waldbauliche Planung, Durchforstung und Verkehrssicherungsmaßnahmen aufruft, entsprächen denen von HessenForst, so Ebert. Wichtiger sei allerdings der Gegenwert, findet Ebert. Bei Flächenräumung, Zaunbau und Anpflanzungen könnten über veränderte Vorgaben aber auch Kosten eingespart werden. Einige Ziele und Verbesserungseffekte sind aber noch recht allgemein formuliert, wie etwa „stärkere Nutzung der Wertschöpfungspotenziale“, „Stärkung der Solidargemeinschaft“ oder „Verbesserung der Zukunftsfähigkeit und Leistungsfähigkeit“.