Zeitung: : Nassauische Neue Presse
Veröffentlichungsdatum: 10.10.2017
Autor: Redaktion

Nach Gebührenerhöhungen erwägen immer mehr Kommunen, ihre Wälder künftig nicht mehr vom staatlichen Forstamt bewirtschaften zu lassen. Selters hat bereits Erfahrungen damit: Vor drei Jahren beauftragte die Gemeinde einen örtlichen Forst-Service.
Selters hat gute Erfahrungen mit der Privatisierung im Gemeindewald gemacht. Nach drei Jahren zogen Bürgermeister Bernd Hartmann und die beauftragten Unternehmer eine sehr positive Bilanz.
2012 fasst das Gemeindeparlament in Selters den Beschluss, den Gemeindewald durch einen privaten Dienstleister bewirtschaften zu lassen. Europaweit wurde die Leistung ausgeschrieben. Unter zehn Bewerbern erfüllte ein Betrieb die Anforderungen und war gleichzeitig der wirtschaftlichste Anbieter: die Fa. Forstservice Taunus, ein Zwei-Mann-Betrieb der Selterser Bürger Frank Zabel und Felix Schenck. Seit Januar 2014 betreuen nun die beiden die insgesamt mehr als 1000 Hektar Waldflächen, zu großer Zufriedenheit der Gemeinde und ihrer Gremien.
Bei einem Ortstermin formulierte Revierleiter Frank Zabel als wesentliches Ziel die Erhaltung und Schaffung eines standortgerechten, stabilen und gesunden Waldes, der sowohl den ökologischen und ökonomischen als auch den klimatischen und gesellschaftlichen Anforderungen gerecht wird. Eine nachhaltige Bewirtschaftung hält auch Bürgermeister Bernd Hartmann (parteilos) für eines der wichtigsten Kriterien.
Zwar verfolge man auch das Ziel, Ertrag und Umsatzrendite zu steigern, jedoch müssten dabei auch Naturschutz, Naherholung und Landschaftspflege, außerdem die Entwicklung eines Jagdkonzeptes für einen angepassten Wildbestand berücksichtigt werden. Essenziell dabei seien eine gute Zusammenarbeit sowie gegenseitige Rücksichtnahme zwischen den verschiedenen Waldnutzern, so Hartmann. Zabel lobte die Zusammenarbeit mit der Gemeinde ebenso wie mit dem Hessischen Waldbesitzerverband oder auch Umweltverbänden wie dem Nabu. „Im Wald herrscht ein viel größeres Miteinander als vor einigen Jahren“, brachte er es auf den Punkt.
Von dem Miteinander profitiert auch die Gemeinde Selters, für die Zabel zwei junge Menschen ausbildet. „Durch die kurzen Wege können wir sehr gut eine Rundumbetreuung gewährleisten“, erzählt Forstwirt Zabel. „Wir sind zuständig für Ausschreibungen zum Holzeinschlag, Kulturplanungen, die Planung von Jungwuchspflegearbeiten, aber auch Wegebau“, umreißt er sein Arbeitsfeld. Und in Schlechtwetterperioden bauen Zabel und Schenck auch schon mal Bänke aus Eichenholz.
„Es gibt immer mal Anfragen von Spaziergängern, dass an einer bestimmten Stelle eine Ruhebank schön wäre“, weiß er zu berichten. Oder auch für die Kindergartengruppe „Brunnenzwerge“ hat er Bänke gebaut. Die stehen nun vor dem Bauwagen der Kinder.
Auch Bürgermeister Bernd Hartmann ist sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit. „Vor 2008 wäre das so gar nicht möglich gewesen“, sagt er. „Erst aufgrund einer Gesetzesänderung durften Kommunen diese Arbeiten an einen privaten Dienstleister vergeben“, so Hartmann.
Ökologische Aspekte für seine Arbeit im Wald hängt Zabel hoch auf. So überlässt er schon einmal schwer zu bewirtschaftende Hanglagen sich selbst oder setzt Kaltblutpferde für die Holzrückung ein. „Ein Pferd verursacht weniger Schäden an benachbarten Bäumen als Maschinen und schont auch die Rückegassen durch eine geringere Bodenverdichtung, außerdem freuen sich Spaziergänger im Wald, wenn die schweren Tiere dort arbeiten“, erzählt er.

Um die Bürger über den Wald auf dem Laufenden zu halten, bietet Zabel zweimal pro Jahr eine Waldbegehung an. Auch Motorsägen-Kurse kann man bei ihm buchen. Für Weihnachtbäume hält er spezielle Plantagen vor. Etwa 600 Bäume pro Jahr verkauft er. Nicht ganz unproblematisch sieht er die sehr hohen Wildbestände. Noch vor ein paar Jahren hätten vor allem Schwarz- und Rotwild Schäden in Höhe bis zu 40 000 Euro angerichtet. Durch Abschüsse und Einzäunungsmaßnahmen konnte dieser Betrag aber glücklicherweise auf zuletzt etwa 8000 Euro reduziert werden. Zabel weiß, dass einzelne Wildkatzen durch die Wälder um Selters streifen. Wünschenswert wäre aber auch, wenn sich der Luchs als natürlicher Feind des Wildes wieder ansiedeln würde. Erfreulich findet Zabel, dass es im Hinterwald einen Bestand der Bechsteinfledermaus, einer streng geschützten Art der „Mausohren“, gibt, und dass bei Eisenbach schon ein Schwarzstorchenpaar gebrütet hat. „Um immer noch besser zu werden, nimmt die Gemeinde Selters an einem Benchmarking des Hessischen Waldbesitzerverbandes teil“ erzählt Bernd Hartmann. Dabei werden unterschiedliche Kommunen miteinander verglichen und bewertet.