Zeitung: : Nassauische Neue Presse
Veröffentlichungsdatum: 24.11.2017
Autor: Johannhes König

Borkenkäfer, Holzverkauf und der Einsatz von Pferden – die Aufgaben im Wald sind vielfältig. Einen Einblick in die Forstwirtschaft gab es bei der Waldbegehung der Gemeinde Selters.
„Jeder Förster möchte einen qualitativ besseren Wald. Darauf arbeitet er hin“, erzählte „Forstservice Taunus“-Geschäftsführer Frank Zabel bei der Waldbegehung der Gemeinde Selters. Bei windig-kaltem Herbstwetter führte er Interessierte anderthalb Stunden lang durch den Hinterwald oberhalb von Niederselters. Ein Waldstück, das der gelernte Diplom-Ingenieur für Forstwirtschaft im Auftrag der Gemeinde betreut. Insgesamt sind es über 1000 Hektar Wald.
Frank Zabels Aufgabe ist es unter anderem festzulegen, welche Bäume geschlagen und welche Baumsorten neu angepflanzt werden. „Die Holzernte liegt bei 7281 Festmeter pro Jahr. In den vergangenen drei Jahren wurde ohne die Jagdpacht jährlich ein Gewinn von rund 156 000 Euro erwirtschaftet“, sagt der Experte. „Das entspricht einer Umsatzrendite von 32 Prozent.“
Den größten Baumbestand bildet mit 38 Prozent die Buche, gefolgt von der Fichte mit 31 und der Eiche mit 15 Prozent. „Was würden Sie anbauen, wenn es nur um den besten Preis ginge?“, wollte eine Zuhörerin wissen. „Da würden wir alles mit der Douglasie zukleistern“, lautete die Antwort. Momentan macht der aus Nordamerika stammende Nadelbaum rund fünf Prozent des Waldbestands in Selters aus. Aus Rücksicht auf die Artenvielfalt werde es aber keine Douglasien-Schwemme geben. „Schließlich weiß keiner, wie in 100 Jahren die Preise aussehen.“
Anlass der Frage war die große kahle Fläche gleich am Waldrand. „Wir haben ein Borkenkäferproblem. Rund 1000 Festmeter sind pro Jahr betroffen.“ Konkret handelt es ich um die beiden Borkenkäferarten „Buchdrucker“ und „Kupferstecher“. Beide Arten befallen Fichten. Normalerweise wehrt sich ein Baum durch eine erhöhte Harzproduktion. „Das geht natürlich nur, wenn genug Wasser da ist. Das hier ist aber eine Südlage und daher sehr trocken.“ So haben die Schädlinge leichtes Spiel.
„Die gehen aber nur an die bereits geschädigte Bäume?“, lautete eine Nachfrage. „Wenn die Menge an Käfern groß genug ist, befällt er auch gesunde Bäume.“ Was bleibt, ist das Abholzen und das Verbrennen der Baumkronen. Nächste Station auf dem Rundgang war daher der Platz fürs Nutzfeuer. „Hier werden die Kronen der befallenen Bäume verbrannt“, sagte Frank Zabel. Um die Zahl der Fehlalarme bei den Feuerwehren gering zu halten, werden die Wehrführer und die Leitstelle vorab informiert. Außerdem bleibt das Feuer nicht unbeaufsichtigt. „Trotzdem haben Spaziergänger schon die Feuerwehr gerufen, obwohl jemand direkt daneben arbeitete.“ Die Energie verpufft ungenutzt. Denn das Verbrennen in einem Heizkraftwerk kommt nicht infrage: „Das Häckseln und der Transport wären in dem Fall zu teuer.“
Ein weiteres Thema des Rundgangs war die sogenannte „Läuterung“ – das Freistellen von Bäumen, die weiter gepflegt werden sollen. „Es ist ein ständiger Kampf ums Licht. Hier sind es Eichen, die von Buchen bedrängt werden.“ Erstere wachsen schneller in ihrer Jugend, die Buchen holen aber später auf. Bäume, die gefördert werden sollen, erhalten einen weißen Punkt. Während eine quergezogene gelbe Linie heißt, dass gefällt werden kann. Zwei parallele weiße Linien symbolisieren eine Rückegasse, durch die die schweren Holzernte-Maschinen fahren können. Das weiße „H“ steht wiederum für „Habitat“ und kennzeichnet zum Beispiel Bäume mit Spechthöhlen.
„Aufräumen“ ist im Wald verpönt: Abgestorbene Bäume bleiben stehen. Es würde sich auch wirtschaftlich nicht rechnen, jeden Baum zu fällen und rauszuziehen. Etwas, was aber nicht ganz ungefährlich ist: „Wenn die Wurzeln geschädigt sind, kann so eine Eiche auch plötzlich umfallen.“ Beim Transport des Holzes kommen auch Pferde zum Einsatz. „So ein Pferd kann kreuz und quer durch den Wald laufen und ist daher nicht auf Rückegassen angewiesen“, erklärt Frank Zabel den Vorteil dieser Methode. Konkret heißt das, es werden weniger Gassen in einem Waldabschnitt gebraucht und die Bodenverdichtung fällt so geringer aus. „Und was ist mit den vielen Holzstapeln, aus denen schon die Pilze sprießen?“ Das betreffe nur die äußere Hülle. „Innen sind sie noch tipptopp. Außerdem ist alles gelagerte Holz hier bezahlt.“ Denn wenn das eigene Lager voll ist, lassen die Kunden das Eichenholz gerne noch etwas länger im Wald liegen.