Die Gemeinde erwartet einen Jahresgewinn von 140.000 € aus dem Forst

Von den 1055 Hektar Selterser Gemeindewald befinden sich aktuell 970 Hektar in der Bewirtschaftung. Dies berichtete Frank Zabel vom für die Gemeinde mit der Waldbewirtschaftung beauftragten Forstservice Taunus Mandatsträgern und interessierten Bürgern beim Waldbegang durch Eisenbacher Gemarkung.Foto: Klöppel RobinFrank Zabel (Forstservice Taunus) und Bürgermeister Hartmann (v. l.) mit Mandatsträgern und Interessierten beim Waldbegang.

Selters-Eisenbach. Selterser Bäume landeten sogar auf dem asiatischen Markt – dies erfuhren die Teilnehmer des Waldbegangs von Forstwirt Frank Zabel. Buchen- und Fichtenholz erziele zurzeit auf dem Markt überdurchschnittliche Preise. 37 Prozent des Baumbestandes seien aktuell Buchen sowie 34 Prozent Fichten. Insgesamt 340 000 Festmeter Bäume stünden im Gemeindewald. Bei 7281 Festmetern Hiebsatz pro Jahr wachse stets mehr nach, als an Holz eingeschlagen werde, geht aus dem Bericht des Forsteinrichtungswerks hervor. Trotzdem könne die Gemeinde bei einem Jahresumsatz von 440 000 Euro im Forstbetrieb mit einem Gewinn 2015 in Höhe 140 000 Euro rechnen. 2015 sollen Ende des Jahres 6800 eingeschlagene Festmeter stehen.

Zabel begründete die nicht erreichten Sollzahlen damit, dass immer nur soviel eingeschlagen werde, wie es sinnvoll erscheine. Und trotz des geringeren Einschlages stimme ja das betriebliche Endergebnis, stellte Bürgermeister Bernd Hartmann (parteilos) fest. Puffer für Sturmereignisse müssten aber vorhanden bleiben, wie der Selterser Verwaltungschef bemerkte. Frank Zabel zeigte den Mitwanderern zwei Eisenbacher Weihnachtsbaumkulturen des Forstbetriebes. Insgesamt gebe es in Eisenbach drei sowie je eine in Niederselters und eine in Münster. 400 Weihnachtsbäume verkaufe die Gemeinde im Jahr, sagte Zabel. Mittelfristig solle eine Kultur in Eisenbach nach Aberntung der letzten vermarktbaren Bäume dort aufgegeben werden, weil das Gelände schlecht erreichbar und die Kultur somit unwirtschaftlich sei.

Zu viel Rotwild
An einem Gatter zeigte er, dass die Schutzgatter gegen Rotwild zwei Meter hoch sein müssten, weil sonst die Tiere drüberspringen und Neuanpflanzungen erheblich schädigen könnten. Frank Zabel sagte, dass er nicht wolle, dass das Rotwild im Selterser Wald komplett durch Jäger ausgerottet werde. Er sagte aber, dass 70 Prozent der bisher hier lebenden Tiere zum Erhalt des Bestandes ausreichten. Von daher müssten die Betreiber der Jagdreviere sich enger abstimmen, um eine Reduzierung des Bestandes zu erreichen.
Bernd Hartmann zeigte der Gruppe den Waldkindergarten, wo die Eisenbacher Kindergartengruppen abwechselnd Wald erleben könnten. Zabel zeigte der Gruppe auch, wie Waldbewirtschaftung funktioniert. So werden Zukunftsbäume geschützt und Bedränger eliminiert. Die Forstarbeiter um Meister Bernd Eisenbach müssten ihr Handwerk verstehen, denn wenn ein gefällter Stamm den falschen Baum beschädige, seien 180 Jahre Arbeit für die Katz, weiß Zabel. Alleine mit einem Meister und zwei Azubis kann die Arbeit im Gemeindewald aber nicht bewältigt werden, so dass der Forstservice weitere Unternehmen mit der Holzfällung und Abfuhr beauftragen muss. Teilweise wird die Holzrückung zur Bodenschonung noch mit Pferden ausgeführt. Zum Teil muss weiter mit der Motorsäge per Hand gefällt werden, dort wo Großmaschinen wie der Harvester nicht hinkommen. Nicht vermarktbare Habitatbäume mit Löchern werden bewusst als Lebensraum für Vögel oder Fledermäuse stehen gelassen. Ebenfalls sind dem Forstservice die Bürger wichtig, die im Wald Naherholung suchen. Egon Schwan von der NABU-Gruppe Eisenbach lobte: Der Forstservice Taunus leiste bisher tolle Arbeit. Die Bewirtschaftung halte er gegenüber Hessen-Forst für nachhaltiger und naturfreundlicher. Trotzdem stimme der Jahresabschluss, so Schwan.

Das schädigt den Wald Beim Windwurf durch den Sturm Niklas sei Selters mit einem blauen Auge davon gekommen, berichtete Zabel. Es seien dadurch zirka 1 000 Festmeter, überwiegend Fichten, gefallen. Durch den trockenen Sommer seien auch 600 Festmeter Holz durch Borkenkäfer geschädigt worden. Dieses vom Käfer befallene Holz wird zwei Mal jährlich entfernt. Pestizide sollten zur Käferbekämpfung im Selterser Wald nicht eingesetzt werden. Laut dem Forstwirt kann Käferholz noch als Güteklasse B verkauft werden. Wenn aber schon Spechte die Rinde beschädigt hätten, trockne das Holz schnell aus, und dann sei schnell ein Wertverlust von 30 Prozent gegeben.

Nassauische Neue Presse, 24.11.2015