Wanderer machten sich in Münster und Nauheim ein Bild von den Sturmschäden

Die Holzpreise sind gut, auch wenn Sturm „Niklas“ vor Wochen einigen Schaden anrichtete. Dies erfuhren interessierte Wanderer in den Wäldern von Münster und Nauheim.

Selters/Hünfelden. Der Gauch- und Kohlwald in Münster war diesmal das Ziel des Waldbegangs der Selterser Mandatsträger. Frank Zabel vom Forstservice Taunus, der den Gemeindewald bewirtschaftet, führte durch das Gebiet. Für Fichte, aber vor allem Eiche, könne er derzeit beste Preise von 97 bzw. 500 Euro pro Festmeter erzielen, erläuterte Zabel. Die Fichte sei derzeit wertvoll. Denn die Sturmschäden der vergangenen Jahre hätten viele Pflanzungen zerstört. Und da dieser Nadelbaum auch besonders anfällig sei, seien kaum neue Bestände gepflanzt worden. Bürgermeister Bernd Hartmann (parteilos) betonte, dass die Gemeinde sehr nachhaltig wirtschafte und den Forst nicht ausbeute. So werde kontinuierlich weniger eingeschlagen als nachwachse. „Wir könnten pro Jahr 9300 Festmeter im Gemeindewald einschlagen, um den Baumbestand konstant zu halten“, merkte Hartmann an. Laut Zabel plant er für die kommenden Jahre aber im Schnitt nur mit 7200 Festmetern. Da es letztes Jahr etwas weniger gewesen seien, würden für 2015 7700 Festmeter auf dem Plan stehen. Seit Oktober seien bereits an die 4000 Festmeter eingeschlagen worden. Der Rest für 2015 folge bis Herbst. „H“ wie Habitatbaum.

Zabel erklärte, dass Bäume immer beobachtet werden müssen. Es könne sein, dass eine erst 2014 begutachtete, gesunde Eiche schon in diesem Jahr Symptome des Absterbens zeige. Dies bedeute dann einen Verlust von bis zu 50 Prozent beim Holzpreis. Andere Bäume werden laut Zabel geschlagen, weil sie wertvollere Nachbarbäume in der Entwicklung stören. Solche wichtigen Stämme werden mit einem weißen Punkt ausgewiesen. Bäume, die mit einem „H“ als Habitatbaum gekennzeichnet sind, bleiben unvermarktet. Sie beherbergen zum Beispiel ein Spechtloch oder einen Greifvogelhorst. >Sturm „Niklas“ machte vor wenigen Wochen auch dem Wald im Goldenen Grund zu schaffen: Rund 500 Festmeter Holz, überwiegend Fichte in Niederselters und Haintchen, fielen dem Unwetter zum Opfer. In Münster sei das Erdbeerwäldchen an der Stahlmühle betroffen gewesen, so Zabel. Im Selterser Wald wird Wert auf Mischbestand gelegt. Trotz der Notwendigkeit des wirtschaftlichen Handelns verzichtet Zabel aber nach eigenen Angaben weitgehend auf den Einsatz von Chemie. Die setze er nur bei bereits abgeernteten Stämmen ein. Denn wenn diese offen an den Waldwegen liegen, seien sie besonders gefährdet für den Befall durch Holzkäfer. Zabel zeigte den Mitwanderern auch ein Waldameisennest und erzählte, dass diese nicht mehr wie früher durch Netze geschützt würden. Denn die Ameisen verlegten ihren Haufen alle paar Jahre. Der Bestand an Waldameisen sei in Selters gut. Wanderer erfahren Wissenswertes auf Infoschildern: Der Kohlwald bekam seinen Namen, weil dort bis ins 19. Jahrhundert Kohle abgebaut wurde. „Gauch“ steht für ein früher verwendetes Flächenmaß. Auch bei einem Rundgang durch den Nauheimer Wald erhielten die Bürger interessante Informationen. Dort gingen rund 40 Bürger gemeinsam mit dem Leiter der Hessischen Revierförsterei Hünfelden, Armin Wiche, auf Erkundungstour. Der Wald in Nauheim erstreckt sich über eine Fläche von rund 1370 Hektar. Ursprünglich siedelten sich nach der letzten Eiszeit vor allem Buchen und Eichen, die sich als besonders angepasst erwiesen, an. Mischwald Hätte der Mensch nicht eingegriffen, gäbe es heute wahrscheinlich nur dichte Buchenwälder in Deutschland, erklärte Wiche. Nur in den Hochlagen seien Nadelhölzer besser angepasst. „Der Wald, wie wir ihn heute kennen, entstand durch die seit Jahrhunderten von Menschen betriebene Waldwirtschaft“, sagte der Förster. Und natürlich beeinflussten auch Umwelteinflüsse die Entwicklung des Waldes. Durch regelmäßige Durchforstung und mit der „Lichtsteuerung“ wird durch den natürlich vorhandenen Samen langsam ein Mischwald herangezogen. Es würden auch gezielt andere Bäume im Wald angesiedelt, sagte Wiche. So findet man auf einer Lichtung Kirschbäume, die mit ihren Früchten zur Ernährung der Wildtiere beitragen.

Nassauische Neue Presse, 20.05.2015