Diese Arbeit ist nicht wie anno dazumal, auch wenn der Eindruck Nostalgie weckt

Mit dem Rückepferd in den Wald - vor drei Jahrzehnten war das selbstverständlich. Heute gibt es diese Arbeitweise auch noch, zumindestens manchmal.

Selters-Eisenbach. Vor 30 Jahren gehörten Holzrücke-Pferde noch in vielen heimischen Wäldern zur alltäglichen Erscheinung. Danach wurden sie immer mehr von Traktoren, Rückemaschinen und modernster Erntetechnik verdrängt. „Und dies vor allem aus Kostengründen, wie man weiß, obwohl der Pferdeeinsatz zweifellos umwelt- und naturschonender ist“, wie Frank Zabel vom Forstservice Taunus berichtet, der den Selterser Gemeindewald betreut. Doch bei manchen Holzernte-Einsätzen könne der kombinierte Einsatz von Pferd und Rückemaschine immer noch sinnvoll sein, wie aktuell im Bereich „Haag“ in Eisenbach. Dort findet derzeit in der Abteilung 301 der kombinierte Einsatz von Pferd und Rückemaschinen statt. Auf dem tiefgründigen, frischen und lößhaltigen Boden könnten, so der Revierleiter, Rückeschäden minimiert und der Baumbestand geschont werden. Zabel bedauert es, dass die traditionelle Holzrückung mit dem Kaltblut in der modernen Forstwirtschaft derzeit nur noch einen untergeordneten Stellenwert habe. Gründe liegen seinen Angaben nach insbesondere in der wesentlich geringeren Leistungsfähigkeit (Lieferverträge sind zeitgerecht einzuhalten), in der Spezialisierung auf besondere Sortimente (starkes Stammholz lässt sich ausschließlich maschinell kostendeckend rücken) und in den höheren Kosten für die Rückearbeiten.


Pferd und Schlepper

Interessant ist in Eisenbach der Arbeitsablauf: Wenn man heute von Holzrückung mit dem Pferd spricht, ist damit eigentlich immer der kombinierte Einsatz von Pferd und Rückeschlepper gemeint. Mit dem Pferd werden leichte Holzstämme und insbesondere Industrieholz an die Rückegassen vorgeliefert und dann vom Forstspezialschlepper oder Rückezug an die Waldwege gebracht. Von dort werden die Stämme dann später zum Sägewerk gebracht. Wie Frank Zabel erläutert, hat der Einsatz von Pferden als wichtigsten Vorteil, dass der Boden durch die Tiere im Vergleich zu schweren Maschinen deutlich weniger geschädigt werde. Ein zweiter Vorteil liege in der geringen Umweltbelastung und ein dritter in der Vermeidung von Rückeschäden. Außerdem werde ein traditionelles Handwerk durch den Einsatz der Pferde erhalten. Thomas Sänger aus Waldsolms führt die Arbeiten in Eisenbach mit seinem Familienunternehmen aus, zu dem Tochter Lena und Sohn Christian sowie die Pferde Henry und Meilinger gehören. Sicherlich lasse sich, so Zabel, das Rad der Zeit nicht mehr komplett zurückdrehen. Doch bei der richtigen Auswahl des Waldbestandes lägen die Kosten der Holzrückung mit den Pferden nur unwesentlich über denen der maschinellen. Von daher sei es mancherorts durchaus sinnvoll, auf Kaltblüter zu setzen. Die seien nämlich auch dann noch einsatzbereit, wenn Maschinen aufgrund beispielsweise von feuchten Böden ihre Arbeit einstellen müssten. rok

Nassauische Neue Presse, 20.02.2015