Der Selterser Gemeindevertretung hat beschlossen, dass der Forstservice Taunus mindestens bis Ende 2021 weiter den Selterser Gemeindewald bewirtschaften soll.

Selters. Vier Gemeindevertreter hatten sich bei der Entscheidung enthalten. Die Vertreter der CDU stimmten geschlossen dafür, die Freien Wähler Selters (FWS) dagegen. In der SPD konnte sich mit drei Ja-Stimmen, vier Enthaltungen und einem Nein nicht auf ein klares Votum festlegen. Vereinbart wurde ebenfalls, dass der Vertrag sich jeweils automatisch um fünf weitere Jahre verlängern wird, wenn er nicht 18 Monate vor Ablauf von einem der Vertragspartner gekündigt wird.

Gute Arbeit geleistet

Während sich die Gemeindevertreter darüber einig waren, dass der Forstservice Taunus in seinen beiden ersten Kooperationsjahren mit der Gemeinde sehr gute Arbeit geleistet hat, sahen nicht alle die Notwendigkeit, schon über ein Jahr vor Ablauf den Vertrag derart langfristig zu verlängern. „Aus Überlegungen der Freien Wähler besteht keine zwingende Notwendigkeit, zum heutigen Zeitpunkt einer Verlängerung des bestehenden Vertrages zuzustimmen“, erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hans-Willi Ort, für die neue Fraktion FWS. Insbesondere da der alte Vertrag sich sowieso automatisch um jeweils ein Jahr verlängert hätte, wenn keine Seite ihn kündigt, wie Ort erläuterte. Die Gemeindevertretung sei erst für 2014 ein Betriebsergebnis vom Forstservice Taunusvorgelegt worden, das Ergebnis für 2015 sei noch nicht abschließend beraten worden, begründete Ort seine Zurückhaltung weiter. „Für eine langfristige Bindung ist nach unserer Meinung die bisher gute Zusammenarbeit mit dem Forstservice Taunus über einen längeren Zeitraum zu bestätigen“, betonte der FWS-Vertreter. Nach nur zwei Wirtschaftsjahren einer fünfjährigen Vertragsverlängerung zuzustimmen, sei ein Gebaren, was weder in der privaten Wirtschaft noch im öffentlichen Sektor üblich sei. In der freien Wirtschaft müsste Orts Aussagen nah Dienstleister, die eine derart lange Vertragszeit wünschten, dem Vertragspartner signifikant verbesserte Konditionen als Gegenleistung anbieten. Die Freien Wähler halten es auch mit Blick auf die bevorstehende Kommunalwahl und die zu erwartende Umbesetzung der Gemeindevertretung für unfair, jetzt schon Fakten für die kommende Wahlperiode zu schaffen. SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Günter Papke erklärte, bei einer Abstimmung im kommenden Jahr wäre die Vertragsverlängerung sicherlich einstimmig gewesen.

Unbegründete Eile

Überrascht sei die SPD aber gewesen, jetzt schon mit einer Vertragsverlängerung konfrontiert zu werden. „Uns stört nicht die Arbeit des Forstservice, sondern diese Eile“, so Papke. Einige Kollegen würden die Art und Weise der Verlängerung als sehr kritisch ansehen. Darum habe die Fraktion, so Papke, ihren Mitgliedern das Abstimmungsverhalten freigestellt. Bürgermeister Bernd Hartmann (parteilos), der die Vertragsverlängerung angeregt hatte, betonte, dass die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und dem Dienstleister Forstservice sehr gut verlaufe. Diese werde auch von der Bevölkerung sehr gut bewertet. Der Forstservice lege, wie Hartmann erläuterte, Wert auf ein gutes Miteinander von Naturschutzverbänden, Jagdgenossenschaften und Jagdpächtern. „Eine positive Zusammenarbeit wird von all diesen Beteiligten bestätigt“, betonte der Bürgermeister. Zudem seien die Ergebnisse der Forstwirtschaftspläne hervorragend: Für 2014 lässt sich ein Plus von 164 873 Euro verzeichnen, und für 2015 wird ein Plus von 140 000 Euro erwartet. 2016 werde der Gewinn zwar voraussichtlich mit 105 000 Euro geringer ausfallen.

Transparente Arbeit

Allerdings müssen im kommenden Jahr Hartmann zufolge einige Pflegemaßnahmen erledigt werden. Hartmann sprach sich für die vorzeitige Verlängerung auch deshalb aus, damit beide Seiten Planungssicherheit haben. CDU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Sandner meinte, mit dem neuen Partner sei absolute Transparenz der Arbeit gegeben. Wenn man mit einem Vertragspartner sehr zufrieden sei, sei es doch normal, frühzeitig über eine Vertragsverlängerung nachzudenken, sagte Sandner. Er stellte klar, dass die Verlängerung nichts damit zu tun habe, dass einer der Vertragspartner der Sohn von Altbürgermeister Dr. Norbert Zabel ist. Zudem habe der Gemeindevorstand diese Entscheidung vorgeschlagen und nicht die CDU.

Nassauische Neue Presse, 20.11.2015