Niklas hat Spuren hinterlassen - Spaziergänger sollten Windwurfgebiete meiden

Das Sturmtief Niklas hat Spuren hinterlassen, und Frank Zabel, Geschäftsführer des Forstservice Taunus, bittet um Verständnis dafür, dass sich der Brennholzverkauf dadurch verzögert. Die Bürger werden gebeten, die nächsten Tage aus Sicherheitsgründen bei Waldspaziergängen die Windwurfgebiete noch zu meiden.

Selters. Ein erhöhter Einschlag und im Vergleich zum Vorjahr geringerer Gewinn im Wald – das ist für 2015 zu erwarten, und dies hat, wie Frank Zabel (Forstservice Taunus) den Gemeindevertretern im Umweltausschuss erläuterte, zwei Hauptgründe: Auf der einen Seite hänge dies mit der geringeren Hiebsmasse 2014 zusammen, auf der anderen mit vermehrten Pflegemaßnahmen. Im Selterser Forst sollen im laufenden Jahr 7773 Festmeter Holz bei einem prognostizierten Gewinn von 122 878 Euro eingeschlagen werden. 2014 wurden nur 6298 Festmeter eingeschlagen und ein Gewinn von 157 706 Euro erwirtschaftet.

Seit Beginn des Jahres seien in allen vier Ortsteilen Stammholz, Palette und Industrieholz eingeschlagen worden, sagt Zabel. So sei es meist möglich, den Brennholzbedarf der Bürger in Wohnortnähe zu befriedigen. Durch die nasse Witterung sei aber in vielen Abteilungen die Holzrückung erheblich verzögert werden. Geschlagen wurde laut Zabel in diesem Jahr bereits Holz im Mühlschlag und im Eichwald in Haintchen, im Kleinhölzchen und im Hinterwald in Niederselters, im Gauchwald in Münster und im Haag in Eisenbach. Bei den Holzrückemaßnahmen beschädigte Wege würden kurzfristig wiederhergestellt. Um eine langfristige Erhalt der Waldwege zu sichern, sollten bis Ende des Jahres sämtliche Durchlässe gereinigt werden. Zukünftig solle eine jährliche Kontrolle durchgeführt werden. Geplant sei außerdem, Bänke und Wanderwege, soweit nötig, freizuschneiden. Erneuert werden solle die Verbindungsbrücke Gauchwald-Wehrholz in Münster. Der Unterbau sei zwar noch intakt, aber der Aufbau und das Geländer seien teilweise marode und sollten darum ausgetauscht werden.

Hoher Bestand an Fichten

Insgesamt lässt sich nach Aussagen Zabels jedoch im Gemeindewald ein deutlicher Überhang an jungen bis mittelalten Fichtenbeständen erkennen. Das habe einen hohen Pflegeaufwand zur Folge. Aktuell würden, dort wo es sinnvoll sei, Baumpflanzungen in sämtlichen Gemarkungen durchgeführt. „Ziel sollte es stets sein, die natürliche Verjüngung zu übernehmen“, so der Geschäftsführer des zuständigen Forstservices. Es sollten aber auch nach und nach die Freiflächen, auf denen keine natürliche Verjüngung funktioniere, bepflanzt werden. Hierbei sollten hauptsächlich einheimische Baumarten Verwendung finden. Derzeit würden in den Gemarkungen Niederselters und Münster Neukulturen mit Weißtanne und Europäischer Lärche begründet. Die Baumartenauswahl hänge ausschließlich von den örtlichen Gegebenheiten ab und könne nicht schematisch vorgenommen werden.

Viele Wildschäden

Insgesamt müssten in der Gemeinde über 17 Hektar Kulturen nachgebessert, das heißt durch Trockenheit oder Schädlingsbefall abgestorbene Bäumchen in den bereits bestehenden Kulturen ausgetauscht werden. Gleichzeitig werde die Nachbesserung zum Anlass genommen, Mischbaumarten wie die Große Küstentanne in die reinen Douglasienkulturen oder die schattenerträgliche Weißtanne und die Elsbeere in vorhandene Eichen-Hainbuchenkulturen einzubringen. Die Wildschäden befinden sich laut Frank Zabel nach wie vor auf hohem Niveau. Positiv sei die Erfüllung der Abschusszahlen 2014. Allerdings sollte seiner Meinung nach von der unbegrenzten Nachfreigabe beim Kahlwildabschuss Gebrauch gemacht werden, da Großrudel von 70 und mehr Stück Rotwild zu starke Schäden im Wald anrichten könnten. Im Rahmen des in diesem Jahr beauftragten Wildäsungskonzeptes solle mit der Erstellung von Waldwiesen begonnen werden. Auf diesen finde das Rotwild Äsung, was bei gleichzeitiger konsequenter Bejagung zur Verminderung von Schälschäden führen könne. Wichtig sei bei allen Bemühungen die enge Zusammenarbeit mit den betroffenen Jagdpächtern.

Info: Zusammenarbeit mit Naturschützern

Der Forstservice ist dabei, in allen Gemarkungen Namensschilder aufzuhängen. Viele der Schilder seien bereits aufgehängt, der Rest werde noch dieses Frühjahr folgen. „Auch weiterhin wird eine enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Naturschutzverbänden angestrebt“, versichert Frank Zabel. Die Naturschützer würden bei der Markierung der Horst- und Höhlenbäume helfen und auf besondere Vorkommen geschützter Arten hinweisen, so dass verhindert werden könne, diese bei der Holzernte in Mitleidenschaft zu ziehen. Beispielsweise befinde sich im Niederselterser Hinterwald eine Population der streng geschützten Bechsteinfledermaus. Ebenso gehe es aber darum, im Forst ökonomische Werte wie die wertvollen Selterser Eichenbestände zu erhalten. Der herausragende mit über 200 Jahre alten Bäumen befindet sich im Mühlschlag in Haintchen. Dort sei bei der Pflege ein besonderes Augenmerk auf das Zurückdrängen der dominierenden Buche zu halten, da die jungen Buchen von unten in die Kronen der alten Eichen einwachsen und diese zum Absterben bringen würden. Bei optimaler forstlicher Pflege könnten viele der vitalen Eichen dort noch über 100 Jahre erhalten werden. rok

Nassauische Neue Presse, 09.04.2015