Im Einklang mit der Natur


Frank Zabel, Forstservice Taunus GmbH & Co. KG ist Förster im Gemeindewald in Selters. Seit vielen Jahren war der selbstständige Forstdienstleister im Holzeinschlag tätig. Jetzt bewirtschaftet er den Wald der Kommune. Im Interview mit dem Deutschen Waldbesitzer erklärt Zabel, wie er den Naturschutz in seine tägliche Arbeit integriert.


DW: Herr Zabel, wie vermeiden Sie Konflikte mit dem Naturschutz in Selters?
Wir arbeiten eng mit den lokalen Naturschutzverbänden zusammen. Ich bin seit 25 Jahren im Naturschutz in der Ortsgruppe des NABU Niederselters aktiv. Seit Jahren gehe ich bei den Vogelstimmenwanderungen mit. Dadurch habe ich einen sehr guten Kontakt vor allem zu den naturschutzbewegten Bürgern in der Gemeinde. Da kann man im Gespräch auch kritische Fragen zum Wald beantworten und brisanten Themen die „Spitze“ nehmen, bevor sie in der Gemeinde hochkochen.

DW: Wie gehen Sie mit dem Schutz von Höhlen- und Horstbäumen um?
Vor dem Auszeichnen für den Holzeinschlag treffe ich mich mit Ferdi Muth, dem stellvertretenden Kreisbeauftragten für Vogelschutz und mit Egon Schwan, dem stellvertretenden Vorsitzenden des NABU Kreisverbandes, und gehe mit den beiden in die Buchen Altbestände. Die beiden markieren Höhlen- und Habitatbäume, die wir dann nicht fällen. Die Vorgehensweise ist mit der Gemeinde abgesprochen. 

DW: Wieviele Bäume werden pro Hektar etwa markiert?
Da kommen etwa 4 oder 5 Bäume zusammen, je nachdem wie alt der Bestand ist. Diese Bäume sollen beim Holzeinschlag geschont und nicht beschädigt werden.

DW: Und wie geht das bei Horstbäumen?
Wir haben einen engen Informationsaustausch. Wenn die zwei Vogelschützer einen neuen Horstbaum ƒnden, überprüfen wir ihn gemeinsam. Handelt es sich um den Nistbaum einer besonders geschützten Vogelart, legen wir gemeinsam fest, was zum Schutz des Baumes notwendig ist. Natürlich werden alle Horstbäume markiert und geschont.

DW: Wie wirkt sich diese Zusammenarbeit auf den Forstbetrieb und auf das Image des Försters in der Gemeinde aus?
Der Forstbetrieb bekommt durch diese Zusammenarbeit für den Naturschutz eine viel größere Bedeutung. Die Gemeinde Selters strebt seit etwa einem halben Jahr die Ausweisung eines gut acht Hektar großes Schutzgebietes an, in dem die Bechsteinedermaus vorkommt. Für diese Flächen sprechen wir den Holzeinschlag mit dem NABU sehr eng ab. Diese Zusammenarbeit vermeidet Konflikte und hat insgesamt sehr positive Auswirkungen. So wächst auch das Verständnis für forstbetriebliche Arbeiten und Notwendigkeiten bei den Naturschützern.

DW: Welche Auswirkungen haben die Habitatbäume auf den Forstbetrieb?
Die von der Krone der Habitatbäume überschirmte Bestandesfläche ist ein freiwilliger punktueller Nutzungsverzicht. Solche freiwilligen Leistungen für den Naturschutz sollten im Grunde anerkannt und abgegolten werden. Zugleich gilt: Arbeitsschutz hat absoluten Vorrang. Wenn die Waldarbeiter beim Holzeinschlag abgestorbene Bäume antreffen, die ihnen bei den Fällarbeiten gefährlich werden können, sollen sie diese umschneiden und liegen lassen. Die ökonomischen Auswirkungen durch den Verzicht auf Holznutzung der Habitatbäume halten sich in Grenzen, denn die vom Specht als Wohnung gewählten Bäume sind meistens stark entwertet. Erhebliche Stammteile der Buchen mit Spechtlöchern sind rotkernig oder faul. Wir verzichten da nur auf C-Qualität oder geringerwertiges Holz.

DW: Wie vermeiden Sie den Konflikt der Brennholz-Selbstwerber mit den Interessen des Naturschutzes?
Wir konzentrieren die Brennholznutzung in jeder Gemarkung auf ein oder zwei Waldflächen. Dort ist die Störung dann natürlich groß, aber auf dem Rest der Waldfläche ist Ruhe. Das kommt auch dem Wild und der Jagd zugute.

Deutscher Waldbesitzer, 02.2014