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Nachhaltige Waldwirtschaft im Selterser Gemeindewald

 

Seit einigen Jahren ist „Nachhaltigkeit“ voll im Trend. Nachhaltig leben, nachhaltig essen, nachhaltig einkaufen, nachhaltig wohnen, nachhaltig arbeiten, nachhaltig produzieren sind zu Leitlinien geworden, an denen sich Menschen, Firmen, Vereine und Kommunen orientieren.

Der heute vielfach und teilweise inflationär verwendete Begriff der Nachhaltigkeit wurde ursprünglich im Jahre 1713 von dem sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz geprägt. In seinem Werk „Sylvicultura oeconomica" beschreibt er erstmalig, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung wieder nachwachsen kann. Damit legte er den Grundstein für die deutsche Forstwirtschaft und das Prinzip des nachhaltigen Umgangs mit Rohstoffen.

Auch im Selterser Gemeindewaldes ist das wesentliche Ziel unserer forstlichen Bemühungen die Erhaltung und Schaffung eines standortgerechten, stabilen und gesunden Waldes, der sowohl den ökologischen, als auch den klimatischen und gesellschaftlichen Anforderungen gerecht wird. Die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung ist dabei immer das höchste Gebot. Naturschutz, Naherholung und Landschaftspflege sind natürlich ebenfalls sehr wichtig und fügen sich in den Nachhaltigkeitsgedanken mit ein.

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2014 angelegte Naturschutzfläche mit Himmelsteich innerhalb des Waldes am Hainbach in Haintchen

Gerade vor dem Hintergrund der derzeitigen Borkenkäferkatastrophe ist die 1791 von Georg Ludwig Hartig in der „Anweisung zur Holzzucht für Förster“ getätigte Feststellung weiterhin aktuell: Unter allen Bemühungen des Forstwirts ist wohl keine wichtiger und verdienstlicher, als die Nachzucht des Holzes, oder die Erziehung junger Wälder, weil dadurch die jährliche Holzabgabe wieder ersetzt, und dem Wald eine ewige Dauer verschafft werden muss.

Dies bedeutet konkret für die Bewirtschaftung des Selterser Gemeindewaldes:

Noch immer müssen befallene und abgestorbene Bäume aufgearbeitet und abtransportiert werden. Wir sind aber zuversichtlich, bis Ende dieses Jahres sämtliche schadhaften Fichtenbestände aufgearbeitet zu haben. Durch die Holzabfuhr beschädigten Wege wurden bereits wieder instandgesetzt.

Nun liegt das Augenmerk klar auf der Wiederbewaldung der entstandenen Freiflächen. Vor Beginn der Kulturplanung wird jede Freifläche genau danach beurteilt, ob eine Wiederbewaldung mit Naturverjüngung möglich ist oder vielleicht bereits geschieht.

Nach den Windwurfereignissen „Kyrill“ (2007) und „Xynthia“ (2010) konnte man vielfach beobachten, dass sich Freiflächen oftmals über standortsangepasste Naturverjüngung selbständig wiederbewaldet haben. Hier ist selbstverständlich von einer künstlichen Verjüngung (Wiederaufforstung) abzusehen. Die Freiflächen, auf denen die natürliche Verjüngung allerdings über mehrere Jahre aufgrund von Vergrasung oder Verbuschung ausbleibt, werden nun sukzessive wiederaufgeforstet. Hier setzen wir insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels auf standortsangepasste (autochthone) und wärmeliebende Baumarten. In diesem Jahr wurden insgesamt 31.650 Bäumchen auf fünf verschiedenen Flächen im Hinterwald in Niederselters, in der Struth in Eisenbach und in den Mühlenschlägen in Haintchen gepflanzt.

Insgesamt kann die nun anstehende Wiederbewaldung auch als Chance gesehen werden, die ehemals monotonen Fichtenbestände in einen klimaangepassten, ökologisch wertvollen, diversifizierten Mischwald umzubauen. Wertvolle Biotope (Blühflächen, Streuobstwiesen, Himmelsteiche, etc.) können nun sinnvoll in die neu entstehenden Mischbestände integriert werden.

Wir haben jetzt die Möglichkeit, den Grundstein für einen gesunden und ökologisch wertvollen Wald für kommende Generationen zu legen.

 

Quellen:

https://www.lifeverde.de/nachhaltigkeitsmagazin/gesellschaft/wie-wurde-nachhaltigkeit-zum-trend

https://www.bmel.de/DE/themen/wald/wald-in-deutschland/carlowitz-jahr.html